Hermines Leben war qualvoll und geprägt von Verlusten. Nach dem tragischen Unfalltod ihrer kleinen Tochter zerbrach die Familie endgültig, ihr Mann Wilhelm verschwand mit dem Sohn Georg und Hermine blieb allein zurück.

 

Jahrzehnte später schöpft sie neue Hoffnung auf ein Wiedersehen mit Georg, als sie vom Tod Wilhelms erfährt. Auf der Suche nach Spuren aus ihrem früheren Leben, die sie zu ihrem Sohn führen könnten, stößt Hermine im Keller ihres Hauses auf eine geheimnisvolle Tür. Sie entdeckt etwas, das ihrem Leben eine letzte Wendung geben könnte …

 

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Hermines Tür

Leseprobe

 

(...)

Ein schaumiges Spuckeflöckchen flog wie in Zeitlupe durch die Luft und landete feucht auf ihrer Wange, doch Hermine hob keine Hand, um es abzuwischen. Sie war wie gelähmt. Auch wenn sie sich in diesem Moment hätte rühren können, so hätte sie es nicht getan. Sie wagte es nicht. Jede Bewegung konnte jetzt falsch sein. Wilhelm war so nahe an sie herangetreten, dass sie seinen säuerlichen Atem roch.

„Ich sage es dir zum allerletzten Mal: Du wirst nicht nach uns suchen! Du bist nicht mehr seine Mutter, hast du mich verstanden? Ich werde verhindern, dass du mir auch noch den Sohn nimmst!“

Wilhelms gerötetes Gesicht senkte sich bedrohlich zu ihr herab, die unterdrückte Wut ließ seine Augen aus den Höhlen treten. Sie sah auf seinen hässlich verzogenen Mund, während er die vernichtenden Worte zwischen zusammengebissenen Zähnen hervorstieß.

„Georg werde ich dir niemals überlassen, hörst du? Er ist mein Sohn. Aber wenn du mich zwingst ... wenn ihm etwas zustößt, bist du allein schuld. Vergiss das nie!“

Hermine wollte zurückweichen, sich den widerlichen Speichel von der Wange wischen, doch sie durfte sich ihren Ekel nicht anmerken lassen. Es wäre falsch, Wilhelm jetzt noch mehr zu reizen. Dieses Wissen war ihr in Fleisch und Blut übergegangen, im wahrsten Sinne des Wortes. Wie oft hatte sie Prügel allein dafür einstecken müssen, dass sie im falschen Moment zurückgezuckt war. Mit der Zeit hatte sie gelernt, was sie besser unterließ, es war der reine Überlebensinstinkt, der sie stillhalten ließ. Die vergangenen Wochen hatten Hermine endgültig zermürbt, noch niemals in ihrem ganzen Leben war sie so vollkommen hilflos gewesen. Oder doch – aber wie damals gab es auch jetzt nichts, was sie dagegen tun konnte. Für eine erneute Flucht war es schlicht zu spät, damit war sie bereits gescheitert.

Obwohl Wilhelm sie in diesem Moment nicht berührte, war der Schmerz war für Hermine körperlich spürbar. Er hätte ebenso gut mit einem Messer zustechen können. Ihr war matt und zitterig zumute. Während die Übelkeit ihr die Kehle zuschnürte, konnte sie kaum noch einen klaren Gedanken fassen. Was sollte sie nur tun? Es war, als befände sie sich in einem schlechten Traum. Hermine machte einen weiteren zaghaften Versuch, ihren Mann gnädig zu stimmen.

„Wilhelm“, bat sie, nein, sie winselte, „bitte, Wilhelm, darf ich wenigsten …“

„Du darfst gar nichts mehr!“

Unwillkürlich zuckte sie vor seinem Mundgeruch zurück. Hoffentlich hatte er es nicht bemerkt. Wie konnte es sein, dass sie diesen Mann einmal geliebt und ihm zwei Kinder geschenkt hatte? Und er hatte sie ebenfalls geliebt, dessen war sie sich sicher. Er hatte sie doch für immer beschützen wollen.

Die Art und Weise, in der sie sich hier gegenüberstanden, kam Hermine beinahe grotesk vor, geradezu unwirklich. Doch auf ein gnädiges Erwachen aus diesem Alptraum wartete sie vergeblich. Das Monster wollte einfach nicht verschwinden. Wilhelm würde auch diesmal erst zufrieden sein, wenn sie vollkommen vernichtet war.

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Kommentare: 1
  • #1

    Centrifugal Juicer (Samstag, 13 April 2013 05:05)

    This is a great blog post! Thanks for sharing!