Für Florence, genannt Flo, geht ein Traum in Erfüllung. Sie reißt sich einen tollen Job unter den Nagel und kann endlich aus der Provinz in die Großstadt ziehen. Doch in der neuen Firma warten nicht nur berufliche Herausforderungen. Flos Standhaftigkeit wird durch die Avancen des gut aussehenden Juniorchefs auf eine harte Probe gestellt. Wenn dieser verflixt charmante Kerl nur nicht an jedem Finger noch drei andere Frauen hätte! Und dann ist da auch noch Jan, der Flo ebenfalls nicht mehr aus dem Kopf gehen will ...

 

 

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Leseprobe

 

Ich war soeben in eine Pfütze getreten und fror. Meine Chucks waren sofort durchgeweicht.  Für alle Fälle – ich wusste ja nicht, was auf mich zukommen würde, genauer gesagt: wer – hatte ich ein paar Ersatzschuhe dabei. Die hielt ich mal in der rechten und mal in der linken Hand, je nachdem, welche Finger gerade weniger steif gefroren waren. Die freie Hand steckte ich dann in meine Jackentasche und hoffte, dass sie dadurch etwas auftauen würde. Die Ersatzschuhe anzuziehen hätte nichts gebracht. Sie waren knallrot und mit mörderisch hohen Absätzen ausgestattet. Gewärmt hätten sie die Eisklumpen, die bis vor kurzem noch meine Füße gewesen waren, ganz sicher nicht. Bisher hatte ich diese exquisiten Folterinstrumente erst einmal getragen, aber dazu später mehr.

Wie gesagt, ich wollte für alle Fälle gewappnet sein. Worauf ich eigentlich hoffte, das konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht einmal mehr sagen. Dazu war mir viel zu kalt und meine Gefühle spielten verrückt. Liebe, Sehnsucht, Zweifel und eine gehörige Portion Leichtsinn hatten dazu geführt, dass ich hier nun stand.

Streng genommen war es eine karge Botschaft gewesen, die mich an diesem späten, feuchtkalten Novemberabend unter die finstere Brücke gelockt hatte. Zwei Worte, dazu Ort und Zeitpunkt, mehr nicht.

Vor mir plätscherte die Alster düster und träge, über mir rauschten die Autos und hin und wieder eine S-Bahn. Es war schon stockduster gewesen, als ich hier ankam, sonst wäre ich ja auch nicht in die Pfütze getreten. Unsicher sah ich mich um. Zum Rand der Unterführung hin wurde es etwas heller und langsam gewöhnten sich auch meine Augen an die Dunkelheit.

Schemenhaft erkannte ich in einer Ecke einen zerwühlten Haufen. Alte Decken oder was auch immer es war. Ich wusste, dass hier unten manchmal Obdachlose kampierten. Aber doch wohl nicht bei dem Wetter? Das musste ja schauderhaft sein, ich war schon nach den zehn Minuten, die ich hier ausgeharrt hatte, kalt bis auf die Knochen. Vielleicht war ich auch nicht gerade passend angezogen. Zu den Stoffschuhen, die ebenso modisch wie abgelatscht waren, trug ich eine knallenge Jeans, ein dünnes schwarzes Top und darüber meine kurze feuerrote Lederjacke. Ein Outfit, das auch zu den High Heels passen würde, wie mir Rina und Sanne am frühen Abend versichert hatten. Natürlich wussten sie über alles Bescheid. Wir hatten zusammen in meiner Wohnung beraten, was ich anziehen sollte und darüber in Windeseile eine Flasche Prosecco geleert. Prosecco mit Eiswürfeln und einem Schuss Eierlikör. Das sah zwar etwas fies aus, schmeckte aber lecker, damit brachten wir uns in Stimmung, seitdem wir als sechzehnjährige Discomäuse zusammen losgezogen waren. Zum allerersten Mal hatten wir diese Zutaten heimlich zusammen gemischt, weil der Kühlschrank von Sannes Eltern nichts anderes hergab. Dann waren wir all die Jahre dabei geblieben.

Rina und Sanne hatten mit mir zusammen die geheimnisvolle Mitteilung studiert, gedreht und gewendet auf der Suche nach einem verborgenen Hinweis auf den Absender. Nichts. Nun ja, immerhin gab es zwei Kandidaten.

Anfangs hatte ich noch überlegt, ob ich überhaupt hingehen sollte, doch dann fasste ich endlich einen Entschluss. Viel zu lange schon hatte ich mich vor einer Entscheidung gedrückt. Am Ende hatte meine Unentschlossenheit dazu geführt, dass ich alles verloren hatte. Nicht einmal in den einsamsten Wochen meines Lebens, die hinter mir lagen, hatte ich mich zu einem Entschluss aufraffen können. Dann kam die unverhoffte Botschaft und ich wusste, dass dieser Abend alles verändern würde. Aber wie lange würde er mich hier noch warten lassen? Und wenn er es sich wieder anders überlegt hatte und am Ende gar nicht kam? Was, wenn es der Falsche wäre? Gab es das überhaupt in diesem Fall?

Fragen über Fragen und keine Antwort in Sicht. Mein Leben war ein einziges Chaos. Jedenfalls mein Liebesleben.

Ich blickte auf meine Uhr. Der Leuchtzeiger signalisierte 22 Uhr und 7 Minuten. Genau drei Minuten würde ich noch warten, keine Sekunde länger. Zur Hölle mit den beiden.

 

Kommentare: 1
  • #1

    Centrifugal Juicer (Samstag, 13 April 2013 05:05)

    This is a great blog post! Thanks for sharing!